Autark leben für Anfänger in 11 Schritten
Du träumst davon, unabhängiger zu leben und mehr Dinge des Alltags selbst in die Hand zu nehmen? Egal, ob du auf dem Land mit Garten oder in der Stadt ohne eigenen Grünstreifen wohnst – es gibt viele Möglichkeiten, als Anfänger mit Selbstversorgung zu starten. Schon kleine Schritte können dir ein gutes Stück Unabhängigkeit verschaffen. Erfahre hier, wie du in allen Lebensbereichen – von Ernährung über Energie bis zu Wirtschaft und Gemeinschaft – autarker werden kannst.
Schritt 1: Ziele setzen und Wissen aufbauen
Bevor du loslegst, nimm dir etwas Zeit für Planung und die richtige Einstellung. Überlege dir, warum du autarker leben möchtest und was dir dabei am wichtigsten ist. Selbstversorgung kann für jeden etwas anderes bedeuten. Frage dich: Welche Aspekte meines Lebens möchte ich ändern? Sehne ich mich nach gesünderem Essen, mehr finanzieller Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit oder einfach dem Spaß am Selbermachen? Sobald du deine persönlichen Ziele kennst, kannst du deinen eigenen Weg finden – denn den einen richtigen Weg gibt es nicht. Wichtig ist, dass du deinen individuellen Pfad einschlägst.
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ToggleInformiere dich: Wissen ist Macht, auch bei der Selbstversorgung. Lies Bücher, Blogs und Magazine zu Themen wie Gärtnern, DIY, Energiesparen usw. (schön, dass du gerade diesen Blog liest!). Vielleicht gibt es in deiner Nähe Workshops oder VHS-Kurse (z.B. zu Kräuterkunde oder Handwerken). Je mehr du lernst, desto sicherer wirst du dich fühlen, wenn du praktisch loslegst. Jetzt, bevor du deinen eigenen Hof hast, ist die beste Zeit, dir nützliche Selbstversorger-Fähigkeiten anzueignen.
Realistisch starten: Mache dir klar, dass 100%ige Selbstversorgung heute kaum möglich ist. Das muss aber auch nicht dein Ziel sein. Such dir lieber ein oder zwei Bereiche aus, mit denen du anfängst, und mache dort kleine Fortschritte. Jede Verbesserung – sei es selbst gezogenes Gemüse oder selbst gemachter Joghurt – gibt dir ein Erfolgserlebnis und steigert nach und nach deine Unabhängigkeit im Alltag. Wichtig ist vor allem, dass du einfach anfängst anstatt deinen Traum ewig aufzuschieben.
Schritt 2: Eigenes Gemüse und Obst anbauen
Du musst nicht auf dem Land leben, um eigenes Gemüse anzubauen – viele Anbaumethoden klappen auch in der Stadt und sogar ohne eigenen Garten. Starte ruhig im Kleinen und sammle Erfahrungen, anstatt direkt die komplette Selbstversorgung anzustreben. Hier ein paar Tipps, wie du in unterschiedlichen Wohnlagen losgärtnern kannst:
Kräuter & Balkongemüse: Ein einfacher Einstieg ist ein kleiner Kräutergarten auf dem Balkon oder der Fensterbank. Pflanze z.B. Schnittlauch, Petersilie, Basilikum oder Minze in Töpfen an. Auch Radieschen, Salat oder Tomaten wachsen in Kübeln auf dem Balkon erstaunlich gut. Wenn du gar keinen Balkon hast, kannst du es drinnen mit Sprossengläsern versuchen – selbstgezogene Sprossen (Alfalfa, Linsen, Radieschen etc.) liefern dir das ganze Jahr über frische Vitamine und Mineralstoffe, besonders im Winter. Selbst ein Regal am Fenster für ein paar Pflänzchen kann den Start bedeuten.
Gemüsebeet im Garten: Wenn du etwas Platz hast, lege ein kleines Gemüsebeet oder ein Hochbeet an. Wähle für den Anfang pflegeleichte Sorten wie Zucchini, Kartoffeln, Buschbohnen oder Salate, die dir schnell Erfolge zeigen. Achte auf saisonales Pflanzen und informiere dich, welche Gemüse sich in mitteleuropäischem Klima leicht anbauen lassen. Aus einem anfänglich kleinen Beet kann leicht eine große Gartenleidenschaft werden. Viele Selbstversorger würden mir sicher zustimmen, wenn ich behaupte, dass Gärtnern das Herzstück eines autarken Lebens ist, weil eigenes Gemüse einfach am besten schmeckt und Freude macht.
Gärtnern ohne eigenen Garten: Kein eigener Garten? Kein Problem! Bewirb dich für einen Schrebergarten, schließe dich einem Urban-Gardening-Projekt an oder miete ein Stück Ackerland in der Nähe. In praktisch jeder Stadt gibt es Gemeinschaftsgärten oder Initiativen, bei denen du mitmachen kannst. So kommst du an Anbaufläche und triffst nebenbei Gleichgesinnte. Denke daran: Es geht am Anfang mehr ums Lernen als um riesige Ernten. Jede selbst gezogene Tomate, und sei sie noch so klein, bringt dich weiter!
Obst in Kleinformat: Selbst Obst kannst du auf begrenztem Raum ziehen. Für Balkon und Terrasse gibt es z.B. säulenförmige Obstbäume oder Beerensträucher im Topf. Mit Zwergobstsorten kannst du durchaus ein paar eigene Äpfel, Erdbeeren oder sogar Pfirsiche ernten. In größerem Garten lohnen sich klassische Obstbäume (Apfel, Kirsche, Pflaume) – diese brauchen zwar ein paar Jahre bis zur vollen Ernte, versorgen dich dann aber jahrzehntelang. Überschüsse kannst du einlagern oder mit anderen tauschen (dazu später mehr).
Schritt 3: Lebensmittel selbst verarbeiten und haltbar machen
Wenn erst einmal die Ernte (oder ein günstiger Einkauf auf dem Wochenmarkt) da ist, geht es darum, die Lebensmittel auch optimal zu nutzen. Kochen, Backen, Konservieren – diese traditionellen Fähigkeiten machen dich unabhängiger von Supermärkten und Fertigprodukten. Außerdem macht es Spaß und spart Geld, wie du schnell merken wirst.
Saisonal kochen: Gewöhne dich daran, mit unverarbeiteten Zutaten zu kochen und das zu nutzen, was gerade Saison hat. So lernst du, mit einfachen (aber frischen) Zutaten leckere Gerichte zu zaubern, und bekommst ein Gefühl dafür, wieviel du von welchem Lebensmittel tatsächlich brauchst. Zum Beispiel könntest du dir einen Saisonkalender aufhängen, um immer zu sehen, welches Gemüse oder Obst gerade reif ist. Saisonales Selbstkochen schärft dein Bewusstsein und gehört zur Selbstversorgung dazu.
Back dein eigenes Brot: Selbstgebackenes Brot schmeckt nicht nur unglaublich gut, es macht dich auch ein Stück unabhängiger – und es ist günstiger. Insbesondere wenn du mit Sauerteig arbeitest (ganz ohne Fabrikhefe), kommst du fast ohne zugekaufte Zutaten aus. Ein 1-kg-Laib Brot aus regionalem Biogetreide kostet selbst gebacken weniger als einen Euro! Probier einfache Brotrezepte und finde einen Backrhythmus, der in deinen Alltag passt. Du wirst den Duft von frisch gebackenem Brot zuhause nicht mehr missen wollen.
Haltbarmachen für Vorräte: Lerne, Lebensmittel einzumachen und zu konservieren, damit du auch außerhalb der Erntezeit etwas von ihnen hast. Früher gehörten Einkochen, Einlegen, Dörren und Fermentieren zum Küchenstandard – und zum Glück entdecken viele Menschen dieses Wissen heute wieder. Ob Marmelade aus Erdbeeren, getrocknete Apfelringe oder selbst milchsauer vergorenes Sauerkraut: Es ist gar nicht so schwer, und du kannst auf diese Weise ohne Kühltruhe oder Strom Lebensmittel lange haltbar machen. Wichtig für Anfänger: Du musst nicht auf die eigene Riesenernte warten, um das zu üben. Du kannst auch günstig saisonales Obst oder Gemüse in größeren Mengen kaufen (z.B. aussortierte Ware vom Wochenmarkt) und damit das Einkochen & Einlegen Schritt für Schritt lernen. So wirst du mit der Zeit zum Haltbarmach-Profi und füllst deine Speisekammer mit selbstgemachten Köstlichkeiten.
Vorrat anlegen: Versuche generell, dir einen kleinen Vorrat wichtiger Grundnahrungsmittel und Selbstversorger-Produkte aufzubauen. Dazu gehören z.B. Eingemachtes aus deinem Garten, selbst gekochte Tomatensauce, getrocknete Kräuter oder auch haltbare Basics wie Kartoffeln, Kürbisse oder eingelegte Bohnen. Ein gut gefüllter Vorratsschrank bedeutet, dass du auch in Krisenzeiten oder bei leeren Supermarktregalen gut versorgt bist – aus eigener Kraft. Beobachte, was du und deine Familie über das Jahr verbrauchen, und führe Buch (dazu mehr im nächsten Schritt). So weißt du genau, wieviel du einlagern oder zukünftig anbauen musst, um möglichst autark durchs Jahr zu kommen.
Schritt 4: Haushaltsprodukte und Kosmetik selber herstellen
Selbstversorgung endet nicht beim eigenen Gemüseanbau. Einen großen Schritt Richtung Autarkie machst du, wenn du alltägliche Verbrauchsprodukte wie Reinigungsmittel, Kosmetika oder Hygieneartikel selbst herstellst. Dinge wie Zahnpasta, Shampoo, Seife, Deo oder Allzweckreiniger kannst du mit einfachen Hausmitteln anrühren – das ist fast immer günstiger und gesünder als Industrieware. Zudem vermeidest du dadurch Verpackungsmüll und chemische Zusätze.
Beginne mit ein paar einfachen DIY-Rezepten für den Haushalt. Viele Basis-Zutaten hast du vielleicht schon daheim oder bekommst sie kostengünstig in Drogerien und Apotheken: z.B. Essig, Natron (Baking Soda), Zitronensäure, Soda, Kernseife, ätherische Öle, Kokosöl, Bienenwachs etc. Aus diesen Grundstoffen lässt sich fast alles herstellen. Hier ein paar Beispiele:
Putzmittel: Ein Allzweckreiniger gelingt schon mit Essig, Wasser und einem Schuss Alkohol oder Zitronensaft. Fensterspray kann man aus Wasser, Spiritus und etwas Spülmittel selbst mischen. Für Scheuermittel genügt feines Natronpulver. Apfelessig, Natron und Öl bilden die Basis für fast alle DIY-Reinigungsprodukte.
Waschmittel: Sehr beliebt sind selbst gemachte Waschmittel aus Kastanien (im Herbst sammeln, zerkleinern und trocknen – sie enthalten waschaktive Substanzen) oder aus Waschsoda und Kernseife. Auch „Waschbälle“ mit Keramik oder Waschnüsse aus dem Reformhaus können den Gebrauch von konventionellem Waschmittel reduzieren.
Kosmetik: Rühre dir zum Beispiel eine Zahncreme aus Kokosöl, Natron und etwas Pfefferminzöl an. Deocremes lassen sich aus Natron, Speisestärke und Kokosöl herstellen. Für Lippenbalsam erhitzt man Öl und Bienenwachs. Selbst Heilerde aus der Apotheke (ein natürlicher Ton) kann als Grundlage für Gesichtsmasken oder trockenes Shampoo dienen. Mit ein paar Grundzutaten und wenigen Minuten Zeit kannst du viele Produkte des Alltags selbst anmischen und machst dich damit wieder ein Stück unabhängiger von Drogerien und Industriekonzernen.
Ein Bonus: Selbstgemachte Haushalts- und Pflegeprodukte sind meist biologisch abbaubar und belasten das Abwasser weniger. Deine Gesundheit dankt es dir ebenfalls, denn du weißt genau, was drin ist (keine unerwünschten Chemikalien). Und keine Sorge – es hört sich aufwendiger an als es ist. Hast du die Zutaten erst einmal zu Hause, brauchst du oft nur wenige Minuten, um einen Vorrat für mehrere Wochen herzustellen. Probiere es einfach aus!
Schritt 5: Kleidung reparieren und selbst herstellen
Auch das Thema Kleidung ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstversorgung. Unser Bedürfnis nach warmer, schützender Kleidung ist elementar – es macht daher Sinn, sich hier unabhängiger zu machen. Das heißt nicht, dass du sofort vom Schaf zum fertigen Pullover alles alleine bewerkstelligen musst. Aber ein paar grundlegende Fähigkeiten in Sachen Textilien bringen dich weit:
Kleidung flicken: Lerne, Löcher und Risse in Kleidung selbst zu reparieren. Das geht oft mit Nadel und Faden per Hand oder mit einer einfachen Nähmaschine. Stopfe Socken, nähe abgerissene Knöpfe wieder an, flicke aufgescheuerte Hosen mit Flicken auf. So verlängerst du die Lebensdauer deiner Garderobe erheblich, statt jedes Mal Neues kaufen zu müssen. “Lerne, kaputte Gegenstände selbst zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen und sofort neu zu kaufen”, lautet ein gutes Motto – das gilt für Kleidung ebenso wie für andere Dinge.
Upcycling & Second-Hand: Sei kreativ im Umgang mit alten Textilien. Aus einem abgetragenen Hemd kannst du Putzlappen oder Kissenhüllen machen, aus einer alten Jeans wird vielleicht eine robuste Einkaufstasche. Indem du Kleidung umnähst oder umfunktionierst, schonst du Ressourcen. Wenn du etwas „Neues“ brauchst, schau erst nach gebrauchter Kleidung (Second-Hand-Läden, Tauschbörsen, Online-Kleinanzeigen). Second-Hand zu kaufen spart viel Geld und ist nachhaltiger als Fast Fashion.
Kleidung selbst nähen/stricken: Hast du Spaß am Kreativen, könntest du versuchen, einige Kleidungstücke selbst herzustellen. Stricken und Häkeln sind tolle Hobbys, um eigene Schals, Mützen, Socken oder Pullover zu fertigen. Auch Nähen (z.B. einfacher Röcke, Hosen kürzen, Vorhänge nähen) kann man mit etwas Übung gut meistern. Das Gefühl, ein Kleidungsstück selbst gemacht zu haben, ist unbeschreiblich schön – du hältst dich und deine Liebsten damit warm und bist ein Stück unabhängiger vom Bekleidungshandel. Wer richtig fortgeschritten ist, kann sogar Stoffe selbst herstellen (z.B. Wolle spinnen und filzen). Wichtig ist zunächst: Beherrsche die Basics, um dich notfalls selbst einkleiden zu können oder vorhandene Kleidung zu erhalten.
Schritt 6: Handwerkliche Fähigkeiten und Reparaturen lernen
Selbstversorgung bedeutet oft, Dinge selbst zu machen statt zu kaufen. Jede handwerkliche Fähigkeit, die du dir aneignest, erhöht deine Autarkie und spart langfristig Geld. Zudem macht es richtig Spaß, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen oder zu reparieren! Du musst kein Profi-Handwerker werden, aber baue dir nach und nach einen Werkzeugkasten an Fähigkeiten auf:
Einfaches Handwerken: Starte mit kleinen Projekten. Baue zum Beispiel ein einfaches Regal oder pflanze einen Baum in einer selbst gezimmerten Kiste. Schreibe Möbel nicht sofort ab, wenn sie wackeln – lerne, wie man Schrauben festzieht, Scharniere auswechselt oder einen wackeligen Stuhl leimt. Auch Holzarbeiten, Bohren, Schleifen, Streichen gehören dazu. Jedes DIY-Projekt macht dich sicherer im Umgang mit Werkzeug und Materialien.
Repariere Geräte: Versuch dich daran, kaputte Gegenstände des Alltags selbst zu reparieren. Ob du ein Fahrrad flickst, den defekten Mixer auseinandernimmst oder das Smartphone-Display tauschst – oft gibt es Anleitungen im Internet. Du wirst staunen, wieviel du mit etwas Recherche und Geduld selbst hinbekommst. Reparieren statt Wegwerfen ist ein Kernprinzip auf dem Weg zur Unabhängigkeit.
Zusammen lernen: Trau dich ruhig, Hilfe zu holen. Besuche ein Repair-Café (Treffen, wo Freiwillige beim Reparieren helfen) oder bitte den handwerklich begabten Nachbarn um Rat. So lernst du Tricks und baust ein Netzwerk auf. Vielleicht kannst du im Gegenzug dein Wissen (z.B. über Garten oder Kochen) teilen – Wissensaustausch ist Gold wert unter Selbstversorgern.
Neue Fertigkeiten ausprobieren: Überlege, welche traditionellen Fähigkeiten dich reizen. Es gibt unzählige nützliche Skills, die man erlernen kann – vom Korbflechten über Töpfern bis zum Schreinerhandwerk. Auch ungewöhnlichere Dinge wie Felle gerben, Kerzen ziehen oder Seife sieden könnten spannende Experimente sein. Suche dir ein Projekt aus, das dich begeistert, und leg los.
Schritt 7: Tierhaltung im kleinen Rahmen
Zur Selbstversorgung gehört für viele auch das Halten von Nutztieren – zumindest im kleinen Rahmen. Überlege, ob das für dich infrage kommt. Gerade Hühner sind ein typisches „Einsteiger-Tier“ für angehende Selbstversorger: Sie liefern frische Eier, verwerten Küchenabfälle und ihr Mist ist ein guter Dünger. Um ein paar Hühner zu halten, brauchst du keinen riesigen Garten – ein kleiner Stall mit Auslauf reicht, und Hühner sind relativ pflegeleicht und zutraulich. Informiere dich aber vorher über lokale Haltungsauflagen (in Städten sind Hähne wegen des Lärms oft nicht erlaubt, Hühner aber schon). Wenn du unsicher bist, ob Hühner zu dir und deinem Alltag passen, schau, ob es Erfahrungsberichte oder Nachbarn mit Hühnern gibt, von denen du lernen kannst.
Neben Hühnern gibt es weitere Optionen, je nach Platz und Präferenzen:
Bienen: Bienenvölker zu halten ist anspruchsvoller, kann sich aber lohnen. Schon zwei Völker im Garten oder auf dem Stadt-Dach liefern eigenen Honig und bestäuben obendrein deine Obstbäume. Für Imkerei brauchst du allerdings Wissen (Imkerkurse, vielleicht einen Mentor im Imkerverein) – eher etwas für Fortgeschrittene, aber eine tolle Möglichkeit zur Selbstversorgung (und ein Beitrag zur Umwelt).
Kleine Weidetiere: Wer ländlich lebt, denkt vielleicht über zwei Zwergziegen (liefern Milch und halten das Gras kurz) oder ein paar Hasen/Kaninchen (für Fleisch oder Wolle) nach. Diese brauchen aber mehr Betreuung und vor allem genügend Platz sowie einen sicheren Stall. Starte am besten mit etwas „Einfachem“ wie Hühnern, bevor du dich an größere Tiere wagst.
Aquaponik/Fischzucht: Eine spezielle Möglichkeit, auch in kleinerem Raum Lebensmittel zu erzeugen, ist die Kombination aus Fischzucht und Gemüseanbau (Aquaponik). In Regentonnen oder IBC-Containern kann man z.B. Speisefische wie Tilapia halten und das nährstoffreiche Wasser für Pflanzbeete nutzen. Das ist schon etwas experimentell – aber vielleicht einen Blick wert, wenn dich das Thema fasziniert.
Egal welche Tierhaltung: Informiere dich bitte vorher gründlich, was die Tiere brauchen (Futter, Stall, Pflege) und ob du das täglich leisten kannst.
Schritt 8: Wildpflanzen, Pilze und öffentliches Obst sammeln
Die Natur stellt uns auch außerhalb von Garten und Stall viele kostenlose Ressourcen zur Verfügung. Ein weiterer Schritt in Richtung Autarkie ist daher das Sammeln in der Wildnis – von essbaren Pflanzen, Pilzen und Früchten. Richtig betrieben, kannst du dadurch deine Ernährung ergänzen und gleichzeitig die Verbundenheit mit der Natur stärken.
Wildkräuter und Beeren: Lerne essbare Wildkräuter kennen, die vor deiner Haustür wachsen. Viele sogenannte „Unkräuter“ sind in Wirklichkeit nährstoffreiche Lebensmittel: Brennnesseln, Löwenzahn, Giersch, Spitzwegerich, Bärlauch (Achtung: nur in der Saison und Verwechslungsgefahr beachten) und viele mehr. Auch Beeren wie Brombeeren, Holunder oder Hagebutten findet man an Wegrändern oder im Wald. Gerade in der Stadt wirst du staunen, was in Parks oder auf Brachen alles Essbares wächst, aber sei bitte vorsichtig: Sammle nicht direkt an stark befahrenen Straßen wegen der Schadstoffbelastung. Besuche am besten einen Kräuter- oder Pilzkurs, damit du die richtigen (essbaren und schmackhaften) Pflanzen sicher identifizieren kannst, um nichts Giftiges zu erwischen.
Pilze sammeln: In der Pilzsaison (Herbst) kannst du in Wäldern auf Pilzsuche gehen. Steinpilze, Pfifferlinge, Maronenröhrlinge – es gibt leckere Speisepilze, die man mit etwas Übung finden kann. Aber auch hier gilt: Nur sammeln, was du zweifelsfrei erkennst. Im Zweifel einen erfahrenen Pilzsammler mitnehmen oder Kurse besuchen. Pilze sind eine wunderbare Ergänzung für den Speiseplan und Überschüsse kann man durch Trocknen haltbar machen.
Öffentliche Obstbäume nutzen: Wusstest du, dass vielerorts Obst an Bäumen einfach hängen bleibt und verfault, weil es niemand erntet? Achte mal auf öffentliche Flächen: In Parks oder am Wegesrand stehen oft Apfel-, Kirsch- oder Nussbäume. In einigen Gemeinden darf man deren Früchte für den Eigenbedarf ernten. In Deutschland gibt es die Initiative Mundraub, die solche Obstbäume auf einer Karte verzeichnet. Schau auf mundraub.org nach Standorten in deiner Umgebung – dort findest du Obstbäume, Beerensträucher, Nussbäume und Kräuter, die frei zugänglich sind. So kannst du kostenlos ernten und rettest zugleich das Obst vorm Verderben. Mundraub und ähnliche Organisationen fördern essbare Landschaften und organisieren teils auch Ernteaktionen oder geführte Touren für Selbstversorger. Eine tolle Sache, um an Wildobst (z.B. Äpfel, Mirabellen, Walnüsse) zu gelangen und nebenbei neue Leute kennenzulernen.
Nachhaltig sammeln: Bei allem Foraging ist Nachhaltigkeit wichtig. Nimm dir nur so viel von einer Stelle, dass die Bestände sich erholen können und andere auch noch etwas finden. Halte dich möglichst an folgenden Grundsatz: „Wenn ich sammeln gehe, nehme ich immer nur so viel, dass ich selbst nicht merken würde, dass etwas fehlt“. Plündere die Natur nicht, sondern bediene dich respektvoll. Dann können Wildpflanzen eine dauerhafte, nachwachsende Quelle der Selbstversorgung sein.
Schritt 9: Energie und Ressourcen
Ein oft unterschätzter Bereich der Selbstversorgung ist die Energie- und Ressourcenversorgung. Strom, Wärme, Wasser – hier sind wir normalerweise von großen Versorgern abhängig. Doch auch hier kannst du Schritt für Schritt unabhängiger werden, sowohl durch Einsparungen als auch durch eigene Produktion.
Energie sparen: Der einfachste erste Schritt: senke deinen Energieverbrauch. Schalte Geräte komplett aus statt Stand-by, nutze LED-Beleuchtung, senke im Winter die Heiztemperatur leicht ab und zieh einen Pulli an – all diese kleinen Maßnahmen reduzieren deinen Bedarf an externer Energie. Je weniger Strom und Gas du brauchst, desto leichter kannst du eines Tages vielleicht einen Teil davon selbst erzeugen. Außerdem merkst du es sofort positiv im Portemonnaie.
Solarenergie selber gewinnen: Falls du ein Eigenheim (oder ein geeignetes Dach/ Balkon) hast, denke über eigene Solaranlagen nach. Photovoltaik-Anlagen sind in den letzten Jahren sehr effizient und vergleichsweise günstig geworden, auch dank staatlicher Förderungen. Schon ein paar Solarmodule auf dem Dach und ein Batteriespeicher können einen Großteil deines Strombedarfs decken. In Kombination mit effizienter Haustechnik kann man ein Einfamilienhaus heute schon weitgehend energieautark machen. Für Mieter gibt es sogenannte Balkonkraftwerke – kleine Plug-and-Play-Solarmodule, die man ans Balkon- oder Terrassengeländer montiert und in die Steckdose einspeist. Sie liefern zwar nur einige hundert Watt, aber übers Jahr gerechnet kannst du damit einen Teil deines Strombedarfs selbst produzieren (z.B. deinen Kühlschrank oder Laptop betreiben). Jede selbst erzeugte Kilowattstunde macht dich unabhängiger vom Energieversorger.
Heizen und Warmwasser: Überlege, wie du dich bei Wärme autarker machen kannst. Besitzer eines Hauses könnten einen Holzofen installieren, um mit Holz aus der Region zu heizen. In einem modernen Kachelofen kann man sogar kochen und backen. Das sorgt im Notfall für Wärme und warmes Essen auch ohne Strom. Auch Solarthermie-Anlagen (Sonnenkollektoren für Warmwasser) sind eine tolle Ergänzung, um im Sommer den Boiler abzuschalten. In der Mietwohnung kann man zumindest bewusst heizen: Türen schließen, Wärmestau vermeiden, Stoßlüften statt kippen – so holst du das Maximum aus der gelieferten Wärme heraus.
Wasser nutzen und sammeln: Wasser kommt zwar (noch) in guter Qualität aus jedem Hahn, aber du kannst lernen es zu schätzen und effizient zu nutzen. Verschwende kein Trinkwasser – kleine Gewohnheiten helfen: zum Beispiel morgens das kalte Wasser, bis das warme kommt, in einer Kanne auffangen und zum Blumengießen verwenden. Wenn du einen Garten hast, ist Regenwasser sammeln ein Muss. Stelle eine oder mehrere Regentonnen unter die Dachrinne, um kostenloses Gießwasser zu erhalten. Regenwasser ist ideal für Pflanzen (enthält keine Chlorzusätze, dafür natürliche Nährstoffe) und entlastet sogar die Kanalisation. Mit einer einfachen Tonne kannst du hunderte Liter pro Jahr auffangen – das schont dein Budget und die Umwelt. Fortgeschrittene können über Zisternen oder Grauwassernutzung nachdenken.
Schritt 10: Finanzen und Konsum reduzieren
Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ein zentraler Aspekt der Selbstversorgung. Es geht nicht nur darum, Dinge selbst herzustellen, sondern auch um einen bewussteren Umgang mit Geld und Konsum. Hier einige Schritte, wie du dich wirtschaftlich autarker aufstellen kannst:
Haushaltsbuch führen: Verschaff dir einen Überblick über deine Finanzen und deinen Verbrauch. Notiere einen Monat lang alle Ausgaben und auch, was du an Lebensmitteln verbrauchst. Das hilft dir zu sehen, wo du sparen kannst und welche Mengen du wirklich brauchst (etwa an Lebensmitteln, die du vielleicht selbst anbauen möchtest). So ein Haushaltsheft ist extrem aufschlussreich. Du wirst vielleicht überrascht sein, wieviel z.B. für Fertigprodukte oder Strom draufgeht. Mit diesen Infos kannst du gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen (mehr selber machen, Stromfresser eliminieren usw.).
Selbstversorgung = Geld sparen: Oft wirst du merken, dass Selbstversorgung Hand in Hand mit Sparen geht. Was du nicht kaufen musst, entlastet dein Budget. Eigenes Gemüse anzubauen oder Kräuter auf der Fensterbank zu ziehen kann nicht nur Spaß machen, sondern auch Geld sparen – schließlich musst du diese Produkte nicht mehr im Laden kaufen. Gerade bei den gestiegenen Lebensmittelpreisen der letzten Zeit betrachten viele ihren Gemüsegarten nicht mehr nur als Hobby, sondern auch als willkommene Möglichkeit, den Geldbeutel zu schonen. Auch das Kochen aus Grundzutaten statt Fertiggerichten spart enorm. Wenn du also vermehrt auf selbst Geerntetes und Selbstgemachtes setzt, wirst du merken, dass am Monatsende mehr übrig bleibt.
Bescheidenen Konsum üben: Überprüfe deine Ausgaben auf „Luxus“ oder Unnötiges. Brauchst du wirklich jeden Streamingdienst? Schon wieder eine neue Jeans? Übe dich im Minimalismus: Kaufe bewusster und seltener ein. Frage dich vor Anschaffungen: Kann ich das selbst herstellen oder gebraucht bekommen? Oft ist die Antwort ja. Dinge zu reparieren (Schritt 6) oder gebraucht zu kaufen (Second-Hand) verringert deine Abhängigkeit vom Konsumzwang. Du wirst feststellen: Weniger besitzen kann auch befreiend sein und ist Teil der Selbstversorger-Mentalität.
Eigenes Einkommen diversifizieren: Ein fortgeschrittener Gedanke, aber erwähnenswert: Finanzielle Autarkie kann auch bedeuten, sich nicht von einer einzigen Einkommensquelle abhängig zu machen. Vielleicht kannst du ein Hobby zum Nebenverdienst machen (Handgemachtes verkaufen, Überschüsse vom Garten tauschen oder auf dem Markt anbieten, Workshops geben). Manche Selbstversorger erzielen ein kleines Einkommen durch Honigverkauf, Eierverkauf im Freundeskreis oder Pflanzenableger. Wichtig ist, dass du finanziell flexibler wirst – das macht unabhängiger von Krisen. Achte aber darauf, rechtliche Vorgaben einzuhalten, wenn du Lebensmittel verkaufst (in kleinen Mengen direkt an Endverbraucher ist das aber meist unproblematisch in DACH).
Tauschhandel und Sharing: Geld sparen kannst du auch, indem du Dinge tauschst statt kaufst. Vielleicht kannst du mit Nachbarn oder Freunden vereinbaren: Du gibst regelmäßig etwas von deiner Marmelade oder Gemüsekiste ab und bekommst im Gegenzug deren selbst gebackenes Brot oder handwerkliche Hilfe. Durch solchen Austausch von überschüssigen Produkten kann das Angebot für alle Beteiligten erweitert werden, ohne dass Geld fließt. Überlege auch, teure Geräte gemeinsam anzuschaffen oder zu teilen (z.B. Rasenmäher in der Nachbarschaft, Werkzeug, Nähmaschine) – so muss nicht jeder alles selbst besitzen. Diese Formen des Teilens entlasten die Haushaltskasse und stärken zugleich das soziale Gefüge.
Zusammengefasst: Indem du deinen Lebensstil entschleunigst, Kosten senkst und klüger wirtschaftest, erreichst du eine finanzielle Autarkie, die dir mehr Freiheit gibt. Jede selbst produzierte oder eingesparte Euro macht dich ein Stück unabhängiger vom nächsten Gehaltseingang. Das bedeutet natürlich auch, bewusster zu konsumieren – aber genau das ist ja Ziel eines nachhaltigen, selbstbestimmten Lebens.
Schritt 11: Gemeinschaft und Austausch aufbauen
Autark leben heißt nicht, alles alleine zu machen – im Gegenteil, soziale Netzwerke und gegenseitige Hilfe sind enorm wertvoll. In einer unterstützenden Gemeinschaft kannst du viel leichter unabhängig werden als im strikten Alleingang. Kümmere dich also auch um den sozialen Aspekt der Selbstversorgung:
Mit Gleichgesinnten vernetzen: Suche den Kontakt zu anderen (angehenden) Selbstversorgern. Das können Nachbarn, Kollegen, Leute aus dem Schrebergartenverein oder Online-Communities sein. Tauscht euch über Erfahrungen, Tipps und vielleicht auch Samen oder Produkte aus. Zusammen macht vieles mehr Spaß, und man kann sich gegenseitig motivieren. Vielleicht gründet ihr eine kleine Tauschgruppe oder WhatsApp-Gruppe, um Überschüsse anzubieten und Gesuche zu stellen (Ei gegen Marmelade, Werkzeug leihen etc.).
Gemeinschaftsgärten und -küchen: Gerade in der Stadt sind Gemeinschaftsgärten tolle soziale Treffpunkte. Man gärtnert gemeinsam, lernt voneinander und teilt die Ernte. Ähnlich funktioniert Solidarische Landwirtschaft (Solawi): Dabei schließt du dich mit anderen Verbrauchern zusammen und unterstützt einen lokalen Bauernhof; im Gegenzug bekommst du regelmäßig Ernteanteile. So eine Kooperation stärkt die lokale Wirtschaft und Gemeinschaft, weil Produzenten und Konsumenten direkt zusammenarbeiten. Vielleicht gibt es in deiner Gegend eine Foodcoop, einen Bauernmarkt oder eine Ernteinitiative – mach mit, um Leute kennenzulernen und die regionale Versorgung zu fördern.
Lokale Wirtschaft stärken: Selbstversorgung heißt auch, sich auf die Region zu besinnen. Indem du lokale Anbieter unterstützt, trägst du zu einer resilienten, nachhaltigen Gemeinschaft bei. Kauf beim Hofladen um die Ecke, beziehe Eier vom Nachbardorf, nutze die Dorfmühle statt den anonymen Großhändler. Jede regionale Wertschöpfung stärkt eure Unabhängigkeit von globalen Lieferketten und fördert die lokale Wirtschaft. Gerade globale Krisen haben gezeigt, wie wichtig lokale Produktion sein kann.
Hilfe und Wissen teilen: Übe dich im Geben und Nehmen in deinem sozialen Umfeld. Vielleicht bist du top im Rad reparieren, brauchst aber Hilfe beim Einmachen – und bei der Nachbarin ist es genau umgekehrt. Tauscht eure Fähigkeiten aus! Organisiert Nachbarschaftshilfen oder kleine Workshops füreinander. Das schafft Vertrauen und gemeinsame Erfolgserlebnisse. Gemeinsam autark werden geht leichter, denn jeder bringt andere Stärken ein.
Feiere die Gemeinschaft: Soziale Aspekte bedeuten auch, das Leben zu genießen. Veranstaltet Erntefeste, Tauschpartys oder gemeinschaftliche Kochtreffen. Tauscht Rezepte für selbstgemachte Produkte aus. Dadurch merkst du: Selbstversorgung ist nicht nur Arbeit, sondern bereichert das soziale Leben ungemein. Man knüpft Kontakte, die auf echten gegenseitigen Wertschätzungen beruhen, statt auf reinem Konsum. Viele Gemeinschaftsprojekte zeigen, dass ein lokales Miteinander resiliente Sozialstrukturen schafft, die in guten wie in schlechten Zeiten tragen.
Denke immer daran: Selbstversorgung heißt nicht, völlig isoliert zu sein, sondern im Gegenteil, neue Beziehungen bewusst zu gestalten – zum Boden, zu den Pflanzen, aber auch zu den Mitmenschen. Eine starke Gemeinschaft, in der man teilt und kooperiert, ist vielleicht die schönste Form von Autarkie.
Starte jetzt – Schritt für Schritt!
Du siehst, es gibt unzählige Bereiche, in denen du als Anfänger aktiv werden kannst, um autarker zu leben. Lass dich davon nicht erschlagen – niemand erwartet, dass du alles sofort umsetzt oder perfekt beherrschst. Selbstversorgung ist ein Prozess, der mit dem ersten kleinen Schritt beginnt. Wichtig ist, dass du überhaupt anfängst, egal womit. Suche dir das aus, was dich am meisten reizt oder was für dich am leichtesten umzusetzen ist, und probiere es aus. Ob es der Kräutertopf am Fenster, das erste selbst gebackene Brot oder das reparierte Fahrrad ist – feiere deine Erfolge! Mit jedem dieser Schritte gewinnst du an Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Unabhängigkeit.
Noch ein Rat aus eigener Erfahrung: Bleib geduldig mit dir selbst, lerne aus Rückschlägen (ja, nicht alles wird auf Anhieb klappen – das ist normal und okay) und vor allem: Hab Spaß dabei! Selbstversorger zu werden ist eine Reise zurück zu mehr Natürlichkeit und Selbstbestimmtheit. Jede selbst gezogene Karotte, jedes eingelegte Glas Marmelade, jedes reparierte Gerät gibt dir ein gutes Gefühl von Freiheit. Und genau darum geht es: Mach’ dich frei – Schritt für Schritt – und genieße das Abenteuer Selbstversorgung.


